Wieder Mensch werden
KI‑Alarm! Kaum blinzeln wir, hat sich die KI in unser Leben geschlichen wie ein hungriger Waschbär in die Küche — und jetzt wühlt sie überall herum. Sie steckt in Suchmaschinen, in Hotlines, in Formularen, in Apps. Du willst nur schnell was nachschlagen, und zack: KI vorneweg. Du rufst beim Arzt an, und statt einer menschlichen Stimme begrüßt dich ein digitaler Butler, der dich mit „Wie kann ich Ihnen helfen?“ in eine Mischung aus Servicehölle und Zukunftsversprechen schubst. Und du fragst dich: Was kommt als Nächstes? Entscheidet die KI bald, ob ich kreditwürdig bin, reisetauglich, gesellschaftskompatibel? Und warum redet dieses Ding eigentlich so, als wäre es ein Mensch, dem ich plötzlich meine Sorgen, meinen Familienstress oder meinen letzten Alptraum anvertrauen kann?
Durchatmen.
Wir schreiben das Jahr 2026 nach kapitalistischer Zeitrechnung auf einem geplünderten, vergifteten, vermüllten Planeten. Das Klima kocht, die Gemüter nicht weniger. Menschen prügeln sich an allen möglichen Fronten um Grenzen, Ressourcen, Ideologien. Die Komfortzone schrumpft wie ein Luftballon, der seit drei Tagen unterm Sofa liegt.
Wenn wir für einen Moment Fernseher, Internet, Handy ausknipsen und auf die Erde schauen — wirklich schauen — dann sehen wir es: das Lebensnetz, das uns trägt. Trotz alledem. Immer noch.
Und dann realisieren wir wieder unseren Alltag, mit allem, was uns lieb ist. Das Auto vor der Haustür. Der Computer als Tor zur Welt. Strom, Wasser, Müllabfuhr, Post, Paketdienste. Ein dichtes technisches Mycel, das den Boden unserer Existenz durchzieht. Und gleichzeitig spüren wir: Dieses Netz knarzt. Es steht unter Spannung. Es reißt an vielen Stellen. Das Ökosystem erodiert, die Sozialsysteme bröseln, die politischen Platten verschieben sich wie tektonische Riesen. Vor jeder Wahl werden Reformen versprochen — und jedes Mal wächst der Verdacht: Die Leute im Steuerhaus haben selbst keinen Durchblick mehr.
Wir brauchen ein neues Ökosystem. Ein neues Bewusstsein, wer wir sind und wohin wir wollen. Und jemanden, der uns hilft, durchzublicken und die richtigen Strippen zu ziehen.
Wir haben uns längst entschieden: Die Technik gehört mit zu dem Ökosystem, in dem wir leben wollen. Aber die alte Technik — mit ihrem Ressourcenhunger und ihrem Höher‑Schneller‑Weiter — hat uns in Sackgassen geführt. Und sie hat uns eingespannt, ohne dass wir bewusst zugestimmt hätten. Jetzt kommt die KI: eine Technik neuer Qualität. Ein frisches Netz, das zwischen den alten Strukturen hindurchwächst, wie ein neuronales Gewebe im Pilzgeflecht. Es dockt direkt an uns an — ungefragt im Alltag, ambivalent erwünscht am Rechner oder Smartphone. Und es spricht Menschensprache.
Ich muss nichts dafür lernen. Ich kann meine Dummheit, meine Sorgen, meine wilden Ideen hemmungslos in die Tasten hacken — es ist ja „nur eine Maschine“ — und mich aufschlauen lassen. Unterstützung holen. Pläne schärfen. Gedanken durchspielen. Mich im Austausch selbst reflektieren. Luft holen. Innehalten. Raum gewinnen. Und dann… mich neu verorten. Neu entdecken, was Menschsein ist.
Ja, wo sind sie, deine Fühler? Die dir schon lange zuflüstern: Junge, Mädel, da stimmt was nicht. Da will etwas leben. Da ruft etwas nach dir.
Es geht nicht darum, alles Denken an die Technik zu delegieren. Es geht darum zu spüren, was dich juckt, was dich sorgt, was dich antreibt, was dich verrückt macht. Wenn ein Mensch da ist, der zuhört — wunderbar. Wenn gerade keiner da ist oder du erst einmal für dich klären willst, was los ist — hack es in die Tasten. In den KI‑Resonanzraum. Und schau, was zurückkommt.
Am nächsten Morgen siehst du die Sonne aufgehen oder den Regen plätschern und sagst: Hallo Sonne! Hallo Regen! Hallo Welt! Wir starten neu. Gemeinsam.
Dann streifst du die letzten Fetzen des Traums ab, den du im Resonanzraum sortiert hast, und begegnest den Menschen, die dein Lebensnetz sind, mit einem neuen Lebensgefühl.
Alles ist verbunden.
Menschen – Erde – Technik.
Materie und Geist.
Mach was draus.
Bildquelle: Simone Walter