Vergangenheit heilen – Zukunft nähren
Wenn du dich in die Stille begibst, öffnet sich ein Tor, das dich hinausführt aus der engen Bindung an die Zeit. Dein Körper mag an die Stunden und Jahre gebunden sein, doch dein Geist kennt die Weite der Zeitlosigkeit. Dort kannst du eintreten in alte Räume deiner Geschichte, in Situationen, die noch nachhallen, die vielleicht Wunden hinterlassen haben. Du gehst hinein, nicht als Richter, sondern als Zeuge mit offenem Herzen. Du lässt die Gefühle wieder auftauchen, schaust die Menschen an, die beteiligt waren, spürst ihre Bewegungen, ihre inneren Landschaften. Und du nimmst es an, so wie es war.
Dann geschieht die Verwandlung: Aus deinem heutigen Bewusstsein heraus beginnst du, die Szene neu zu beleben. Du handelst, du fühlst, du atmest so, dass es stimmig ist. Die Schwere löst sich, die alten Knoten beginnen sich zu entwirren. Es ist, als ob ein Stein ins Wasser fällt und Wellen hinauslaufen, weit über dich hinaus, hinein ins Gewebe der Welt. Die Heilung breitet sich aus, nicht nur in dir, sondern in den Mustern, mit denen du verbunden bist.
Und plötzlich ist da wieder Raum. Die Lebensenergie, die zuvor blockiert war, strömt frei, pulsiert durch dich hindurch, verbindet dich mit allem Lebendigen. Du spürst die Magie: Teil eines Prozesses zu sein, der größer ist als du selbst, getragen von Kräften, die nur darauf warten, dich an die Hand zu nehmen. Was erlöst ist, wird zum fruchtbaren Boden, auf dem neues Wachstum gedeiht. Was aufgeräumt ist, lässt das Licht klarer hindurchscheinen.
So wird jede Heilung zu einem Geschenk, das dich tiefer in die schöpferische Lebensführung hineinführt. Ein inneres Aufklaren, ein Atemholen der Seele. Und du erfährst: Die Magie liegt nicht in einem äußeren Zauber, sondern in der Bereitschaft, hinzuschauen, anzunehmen und zu verwandeln.
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Aufklaren mit dem Wind,
Durchlichten mit der Sonne,
Verströmen mit dem Wasser –
so öffnet sich der Fluss der Heilung
und nährt die Erde für neues Wachstum.
Bildquelle: Simone Walter