Das gemeinsame Gelobte Land

Krieg, Zerstörung Hass, endlose und scheinbar ewiggleiche Konflikte ohne eine erkennbare Lösung am Horizont – wir wollen es nicht mehr hören, nicht mehr sehen. Hilflosigkeit und Ohnmacht sind die Scheuklappen, die verhindern... zu sehen, dass da mehr ist. Viel mehr. Viele warme, leuchtende, hoffnungsvolle Funken unter der Asche aus Zerstörung und Trauer.

Komm näher, lass uns diese Funken anschauen. Lass uns mitten hineingehen in dieses "Gelobte Land" Israel-Palästina, in dem ein menschliches Myzel zu wachsen beginnt, das auf Beziehungen statt auf Trennung basiert. Ein dichter werdendes Netzwerk aus Menschen, die sich weigern, Feinde zu bleiben. Menschen, die Brücken bauen, während um sie herum Mauern wachsen. Menschen, die Zukunft denken, obwohl Gegenwart und Vergangenheit sie täglich herausfordern.

Es sind Lehrer wie Hédi Bouden, der mit seinem Projekt Architecture of Hope Jugendliche beider Seiten zusammenbringt – nicht, um politische Parolen zu lernen, sondern um gemeinsam Kunst zu schaffen, Geschichten zu erzählen, Räume zu entwerfen, in denen sie sich als Menschen begegnen.

Es sind Bewegungen wie Combatants for Peace, gegründet von ehemaligen Kämpfern, die beschlossen haben, dass ihre Hände nicht länger Waffen tragen sollen, sondern Verantwortung.

Es sind Trauerfamilien im Parents Circle, die das Unfassbare in etwas verwandeln, das heilt: Begegnung, Zuhören, Mitgefühl.

Es sind Frauen von Women Wage Peace und Women of the Sun, die über Grenzen hinweg eine gemeinsame Sprache finden – die Sprache der Mütter, der Töchter, der Zukunft.

Und es sind politische Visionärinnen wie Rula Hardal und die Initiative A Land for All, die ein neues Denken wagen: zwei Staaten, offene Grenzen, gemeinsame Institutionen, geteilte Verantwortung. Ein Modell, das nicht trennt, sondern verbindet. Ein Modell, das anerkennt, dass dieses Land – dieses so lange umkämpfte Stück Erde – eine gemeinsame Heimat ist.

Diese Initiativen sind keine Randnotizen. Sie sind ein Ökosystem der Hoffnung, ein Myzel unter der Erde, das wächst, selbst wenn die Oberfläche verbrannt scheint. Sie schaffen Beziehungen, wo Politik versagt. Sie bereiten den Raum, in dem Zukunft überhaupt erst denkbar wird.

Wir hören wenig davon in den Medien, obwohl diese Bewegungen international zunehmend Beachtung und Würdigung finden. Die Organisation A Land for All existiert seit 2012 und erhielt 2021 den Luxembourg Peace Prize für herausragende Friedensarbeit. Bouden mit seinem Projekt Architecture of Hope erhielt 2024 den Margot‑Friedländer‑Persönlichkeitspreis für sein Engagement im interkulturellen Dialog. Die Bewegungen sind Teil der Alliance for Middle East Peace (ALLMEP), ein zentrales Netzwerk, das mehr als 200 israelische und palästinensische Friedensorganisationen verbindet. Sie arbeitet daran, Kooperation, Vertrauen und Gleichberechtigung zu fördern und verstärkt die Stimmen der Friedensakteure international. Im Mai 2025 veranstaltete It´s Time, eine Koalition aus 60 israelischen Friedens- und Zivilgesellschaftsorganisationen, die jüdische und palästinensische Führer, Mitglieder und Partner vereinen, den People’s Peace Summit in Jerusalem.

Mitten im ohnmächtigen Schmerz und in der Zerstörung finden Begegnungen statt zwischen Menschen, die im Herzen wissen, dass es einen anderen Weg geben muss. Für die Kinder dieses Landes von morgen. Dieser Weg beginnt dort, wo ich mich im du erkenne, egal, auf welcher Seite ich stehe. Dieser Weg wird spannend durch das Entdecken unserer überlieferten Geschichten, die wir einander erzählen. In denen wir entlarven, was uns spalten soll und erkennen, was uns verbindet. Der Weg wird genussvoll durch Einladungen zu kulinarischen Entdeckungen aus unseren heimischen Küchen. Wir machen die würzigen Episoden und süßen Geheimnisse unserer Kulturen einander zum Geschenk. Und der Weg wird zum gemeinsamen Abenteuer durch unser Zusammenwirken, durch Kooperationen, das Verbinden unserer Stärken, das Verweben unserer Farben in einem neuen, leuchtenden Muster der Synergie.

Wenn wir Hand in Hand auf dem Tempelberg stehen können, verbunden als Menschen, die in dieser gemeinsamen Erde wurzeln, dann geht am Horizont eine Sonne auf, die für uns alle scheint. Wie sie es immer getan hat. Allzulange ließen wir den Schatten unserer Glaubensgebäude auf den anderen fallen... weg damit! Der Weg wird frei für ein Miteinander aus einer Quelle, die die lebensbejahenden Kräfte für uns beide nährt. Wir freuen uns an den Farben und Blüten des anderen, säen die gemeinsamen Samen in fruchtbare Erde und sind gespannt wie neugierige Kinder, was das Leben, begleitet von unserer Fürsorge, daraus wachsen lässt.

Inshallah – Be’ezrat Hashem.

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Mit Dank an Natalie Amiri, die Autorin des Buches "Der Nahost-Komplex" und die lebendigen Einblicke in unterschiedliche Lebenwirklichkeiten und Hoffnungsräume.

Bildquelle: Nizzan Cohen, 1. November 2023
Wikimedia Commons

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